Klaus Burmeister

Dezember 2010

Klaus Burmeister

Klaus Burmeister ist Geschäftsführer von Z_punkt – The Foresight Company, einem Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen. Nach seinem Studium der Politologie baute er unter anderem das Sekretariat für Zukunftsforschung in Gelsenkirchen (SFZ) auf, 1997 gründete er sein eigenes Unternehmen. Klaus Burmeister ist Mitglied im Rotonda Business-Club seit März 2007.

Was hat Sie zur Zukunfts- und Innovationsforschung gebracht?

Während und nach meinem Studium der Politologie habe ich mich vor allem mit Wissenschaftspolitik beschäftigt – dabei ging es häufig um die Frage: Welche Zukunft wollen wir? 1997, in der Zeit des Internet-Hypes, habe ich auch meine eigene Zukunft gestaltet und mich im gleichen Jahr selbständig gemacht. Ich hatte erkannt: Es gibt niemanden, der Trendwissen in Handlungswissen für Unternehmen übersetzt.


Befassen sich Menschen überhaupt gern mit der Zukunft?

In den sechziger Jahren war Zukunft sehr positiv besetzt: Jeder spürte, er könne etwas bewegen. Im Grunde hat sich dabei nicht viel geändert. Stuttgart 21 ist ein positives Beispiel dafür, dass sich die Menschen mit ihrer Zukunft intensiv beschäftigen und an komplexen Planungsprozessen beteiligt werden wollen. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass Jugendliche in Deutschland ihre Zukunft als ein Angebot neuer Möglichkeiten ansehen. Die Darstellung, die Deutschen hätten Zukunftsangst und seien technikfeindlich, stimmt so einfach nicht.


Was sind die großen Zukunftstrends?

Der wesentliche Zukunftstrend ist der Übergang in eine nachhaltige Gesellschaft. Dazu zählen eine stärkere Beteiligung von Konsumenten an Unternehmensprozessen, der Umstieg auf andere Fahrzeugsysteme, die Neu-Gestaltung von Politik und Beteiligungsformen, aber auch die Integration der hier lebenden Ausländer. Um eine innovative Gesellschaft zu fördern, muss vor allem das Bildungssystem entkernt werden: andere Lehrpläne, Konkurrenz um Lernformen, stärkere Beteiligung der Schüler und Öffnung der Schulen in die Gesellschaft.


Was macht Unternehmen zukunftsfähig?

Um größere Dinge in Bewegung zu setzen, braucht man Allianzen und Kooperationen für Innovationen. Hier hat bei vielen Unternehmen inzwischen ein Lernprozess eingesetzt. So gibt es inzwischen viele unternehmensübergreifende Forschungs- und Entwicklungsgemeinschaften. Beispiel Microsoft in Köln: Auf ihrem Microsoft Campus sitzt das Unternehmen mit verschiedenen Partner-Unternehmen unter einem Dach und tauscht sich regelmäßig über mögliche gemeinsame Projekte aus. Das ist eine Form von Innovationskultur als Organismus. Innovation in einem Unternehmen braucht jedoch Menschen, die darüber wachen.


Welche Trends beobachten Sie in der Arbeitswelt?

Die Konkurrenz um Fachkräfte wird zunehmen. Dazu müssen Unternehmen ihre Personalpolitik verändern und neben dem Verdienst noch sehr viel mehr Möglichkeiten schaffen, um ein attraktives Umfeld zu bieten und die Familie zu integrieren. Frauen werden nicht nur, sie sind eine zentrale „Ressource“. In der Arbeitsorganisation werden flache Hierarchien und das Einbinden von Mitarbeitern an Bedeutung gewinnen. Das eigenverantwortliche Handeln von Mitarbeitern muss noch viel stärker gefördert werden.


Wie stärken Sie das eigenverantwortliche Handeln der Mitarbeiter in Ihrem Hause?

Wir bieten unseren Mitarbeitern an, ihre Arbeitszeit an einem Tag pro Woche völlig frei einzuteilen. Das kann zuhause oder irgendwo anders sein. In der Zeit kann sich jeder aber auch mit ganz eigenen Projekten befassen. Auf diese Weise können wir als Unternehmen an unterschiedlichen Wissensbeständen unserer Mitarbeiter teilhaben.


Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Ich habe noch nie daran geglaubt, dass sich jeder Mitarbeiter morgens seinen Rollcontainer sucht und damit glücklich ist. Das funktioniert nur zeitweise. Wir haben im Jahr 2009 mehr als 2.000 Besucher der Orgatec befragt und festgestellt, dass ein Büro vor allem eine Wohlfühlatmosphäre ausstrahlen soll – das Büro als ein Stück Heimat. Im Idealfall verbindet das Büro Hightech mit Wohlfühlen: Technik als Unterstützung bei kreativen Prozessen, aber in Verbindung mit einem Blick ins Grüne und Möglichkeiten für schnelle und spontane Treffen.


Wie bleibt man als Zukunftsforscher auf dem Teppich?

Ich bin geerdet durch meinen Sohn, der 11 Jahre alt ist, und durch meine sozialen Kontakte. Um mich selbst zu überprüfen ist mir ein Netzwerk von Menschen wichtig, die mir offenes Feedback geben. Auch im beruflichen Alltag sind wir immer in Kontakt zur Realität und schweben nicht im Nirvana – dafür sorgt die Rückkoppelung durch unsere Kunden.


Interview: Hubertus von Barby