PROF. ANDREAS-NORBERT FAY

September 2011

Andreas-Norbert Fay

Andreas-Norbert Fay ist Vorsitzender des Beirats der Fay Projects GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main. Als in zweiter Generation inhabergeführtes Unternehmen, versteht sich FAY als Mittelständler mit Gesicht, als ein Projektentwickler, der mit Beharrlichkeit, Kontinuität und Bodenständigkeit auch komplizierte Entwicklungen voran bringt. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern elementare Geschäftsgrundlage, für das die Geschäftsführung und der Inhaber persönlich stehen. Andreas-Norbert Fay hat eine Professur für Immobilienmanagement an der SRH Heidelberg inne. Als Mitglied des Programmbeirats im Rotonda Business-Club bringt er dort seine Erfahrungen und Kontakte aus der Welt des Planens und Bauens, aus Architektur und Stadtentwicklung ein. Clubmanager Oliver Groß sprach mit dem engagierten Unternehmer über seine Ziele - darüber was ihn bewegt und antreibt.

Herr Fay, Ihr Geschäftssitz ist in Frankfurt und Sie selbst sind gebürtiger Heidelberger. Kann man mit den Kölnern gut zusammen arbeiten?

Fay: Ich fühle mich in Köln sehr wohl und unsere bisherigen Projekte hier sind reibungslos und gut verlaufen. Beim Waidmarkt kam es durch eine Verkettung ungünstiger Ereignisse zu Verzögerungen, die uns am Ende sicher einen einstelligen Millionenbetrag gekostet haben. Dies aber dem Standort Köln anzulasten, käme mir nicht in den Sinn. 

Was halten Sie vom Kölner Höhenkonzept, das letztendlich verhindert hat, dass Sie am Waidmarkt ihre eigentliche Projektplanung realisieren konnten?

Fay: Grundsätzlich ist so ein Konzept nachvollziehbar. Es gibt viele Städte, die ähnlich vorgehen – München beispielsweise. Nun ist natürlich eine Luftbildaufnahme von München etwas aufgeräumter als die von Köln. München wurde nach dem Krieg zum großen Teil wieder so aufgebaut, wie es einmal war. In Köln geht es seit dieser Zeit oft darum, die Sicht auf den Dom oder den Turm am Rathaus zu erhalten.

Schützt solch ein Höhenkonzept wirklich den Wert und die Würde der historischen Gebäude oder wird damit eine moderne Stadtentwicklung behindert?

Fay: Städtebaulich sehe ich große und repräsentative Gebäude eher in den Innenstädten. In München zum Beispiel findet man sie aufgrund des dort geltenden Höhenkonzepts auch an einigen Stellen der Ringgebiete, also eher am Rand der Stadt. Das empfinde ich eher als unschön.

Wie würden Sie vorgehen?

Fay: Ich halte das alte Konzept von Sichtachsen und Fluchten für spannend, es gibt der Stadt eine klare Struktur. Wichtige Gebäude behalten ihre Bedeutung, weil sie von markanten Plätzen aus sichtbar bleiben.

Was darüber hinaus jedoch nur wenig beachtet wird, ist die Einhaltung von Traufhöhen, Dachneigungen und Erdgeschosshöhen innerhalb solcher Fluchten. Wie gut so etwas aussehen kann, sieht man in Berlin: hier wird vielfach mit Erdgeschosshöhen von fünf bis sechs Metern und davorliegenden Arkaden gearbeitet. Die Höhen sollten aber zum Charakter der Stadt passen. In einem solchen Berliner Erdgeschoss könnte man ein ganzes Heidelberger Altstadthaus unterbringen.

Die Bauvorschriften in Deutschland sind umfangreich und vielfältig. Große, massive Gebäude, etwa Hochhäuser, haben es bei uns schwer oder sind gar nicht umsetzbar. Woher rührt das?

Fay: Viele verstehen das, was wir in Frankfurt sehen, schon als das Höchste der Gefühle. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten oder zum asiatischen Raum beobachten wir aber selbst in Frankfurt nur schlanke Türme oder scheibenartige Hochhäuser. Frau Roth, die Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, wünscht sich schon lange einen echten Wolkenkratzer. Ein solcher Bau mit 40 bis 80 Metern Seitenlänge ist aber hierzulande schon aus arbeitsrechtlicher Perspektive gar nicht denkbar. In so einem großen Gebäude verfügen nur die äußeren Büros über Fenster, die weiter innen liegenden Räume erhalten nur indirekt Tageslicht - über Fenster oder Oberlichter zu anderen Büros. Noch weiter innen gibt es gar kein Tageslicht mehr. In Deutschland ist aber ganz genau geregelt, in welcher Entfernung von welchem Punkt des Gebäudes aus sich das nächste Fenster befinden muss.

Ein ganz anderer, wichtiger historischer Aspekt ist, dass wir nach dem zweiten Weltkrieg in den 60er und 70er Jahren mit Recht von einer Architektur Abstand genommen haben, die zu viel Macht und Größe ausstrahlt. Es fand eine bewusste Profanisierung auch öffentlicher Gebäude statt.

Da ich aber von einem weiteren Trend in Richtung Großstadt ausgehe und von einer weiteren Verdichtung der Arbeitsplätze in den Zentren, wird man vermutlich in Zukunft nicht um den Bau größerer Gebäude herumkommen.

Dank Ihrer Unterstützung konnte  – gemeinsam mit dem Rotonda Business-Club – dem Kölnischen Kunstverein für zwei Jahre bei der Finanzierung der Künstlerateliers unter die Arme gegriffen werden. Beobachten Sie selbst die zeitgenössische Kunstszene?

Fay: Wirklich interessiert habe ich mich immer für die Architektur – und ich bin froh, dass ich über meinen Beruf heute einen indirekten Einfluss auf die Baukultur ausüben kann. Die Unterstützung der Künstlerateliers verstehe ich als freundschaftliche Geste an die Stadt und als bürgerliches Engagement.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Oliver Gross