Wirtschaft braucht Öffentlichkeit

Kommunikation verbindet

Köln-Bonn-Manager 01/08

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Kolumne Andreas Grosz im Köln-Bonn-Manager 01/08

So stellt es sich dar: Sozialisierung der Verluste, Privatisierung der Gewinne. Bürger zahlen für Spekulationsfolgen der Banken, Pleitemanager kassieren millionenschwere Abfindungen. Die Schmiergeldaffäre bei Siemens und kein Ende. Von Ackermann bis Zumwinkel. So, meine Damen und Herren, verspielt die freiheitlich gestimmte Markwirtschaft ihren Kredit in doppelter Hinsicht: auf dem Börsenparkett und in den Herzen der Menschen! Letzteres wiegt freilich schwerer und kann uns teuer zu stehen kommen: Wirtschaft verliert Glaubwürdigkeit und wird zum Spielball neuer Demagogen, die schon ihr Messer wetzen. Unglaublich, dass nach weniger als 20 Jahren des Mauerfalls jene Kräfte von links das demokratische Feld aufrollen, die für einen der grössten Unrechtsstaaten nach der Nazizeit auf deutschen Lande stehen.

Aus dem Blickfeld gerät einmal mehr die grosse Mehrheit derjenigen,
die Tag für Tag als Unternehmer, Freiberufler, Selbständige und Pioniere mit Ideen, Initiative, Tatkraft und Schwung dafür sorgen, dass Millionen von Menschen in Arbeit, Lohn und Brot kommen. Was eine verschwindend kleine Gruppe von Managern an Negativbildern produziert und versaubeutelt, steht in diametralem Gegensatz zur persönlichen, ethischen und moralischen Verantwortung des überwiegenden Teils der Unternehmerschaft.

Damit bin ich beim Kern des Problems: Wirtschaft hat in diesem Lande keine wirksame Lobby. Auch wenn es zur Marktwirtschaft keine ernsthafte Alternative gibt, kommunistische, staatssozialistische Systeme politische, soziale und ökonomische Desaster hinter sich gelassen haben, ist das Image westlicher Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme angeschlagen.

Wie Wirtschaft funktioniert, wie spannende Innovationen, neue Produkte und Ideen den Markt und die Menschen erreichen, bleibt den Meisten unter uns ein Leben lang verborgen. Die Mühsal täglichen unternehmerischen Handelns eignet sich wenig für spektakuläre Berichterstattungen, da ist es schon erheblich attraktiver über die Verfehlungen Einzelner auf dem Parkett der Ökonomie zu berichten. So wird letztlich nicht nur Wirtschaft, sondern werden die zentralen Themen unserer Zukunftsgestaltung systematisch ausgeblendet.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wirtschaft braucht Verantwortung und einen klaren Wertekodex. Dies gilt allerdings nicht nur dort, sondern betrifft unsere Gesellschaft als ganzes.

Wenn der Köln-Bonn-Manager als neues Magazin einen lokalen Bezug zum hiesigen Wirtschaftsleben herstellen, über Wirtschaft regional und spannend berichten will, ist dies grundsätzlich zu begrüssen. Kommunikation verbindet. Wirtschaft vor Ort wird anfass- und begreifbarer.

Wirtschaft braucht Öffentlichkeit. In diesem Sinne: viel Erfolg!
Andreas Grosz

Dipl.-Betriebswirt, Unternehmensentwickler und Kulturmanager, Vorstandsvorsitzender Rotonda Business-Club Köln