von Jens Friedemann
Die Aussichten für die deutschen Immobilienmärkte sind im neuen Jahr besonders wacklig. Die deutschen Immobilienmärkte befinden sich noch in einer guten Position: Vorerst sind es die Finanzierungs- schwierigkeiten der Banken, die der Branche zu schaffen machen. Unternehmens- und Investitionskredite sind nur noch unter bestimmten Voraussetzungen zu bekommen - und dann auch nicht unter 7 bis 10 Prozent - eine der teuersten Immobilienfinanzierungen in der Geschichte der Bundesrepublik. Und jetzt rollt auch noch eine Rezession auf den Exportweltmeister zu. Wenn die Wirtschaft um 2 Prozent schrumpft - so die Faustformel -, kostet das eine Million Arbeitsplätze. Vor diesem Hintergrund sagen bekannte Fachleute, was sie vom neuen Jahr erwarten. Ingo-Hans Holz, geschäftsführender Gesellschafter der Beos GmbH, sieht angesichts der nachgebenden Preise gute Chancen für Opportunisten. Es werde eine neue Industrie von Mezzanin-Kapital für ein Vielzahl kleinerer Transaktionen geben. Der Markt insgesamt aber werde erst wieder anspringen, wenn die Refinanzierung über Pfandbriefe möglich ist. Seit September gibt es kein Neugeschäft mehr. Das ist - abgesehen von den Kriegs- und Nachkriegswirren – das erste Mal seit den Zeiten Friedrichs des Großen 1769.
Rosen erklärt Prognose für unmöglich
Rüdiger von Rosen, geschäftsführendes Mitglied des Deutschen Aktieninstituts, hält Prognosen für fast unmöglich. Auf einer Veranstaltung der Unternehmensberatung Pálffy + Thöne im Kölner Rotonda Business-Club sagt Rosen, bei Geldanlageentscheidungen und Immobilienpreisen sei die langfristige Perspektive maßgeblich; und da habe sich gezeigt, dass in Krisen auch Chancen stecken.
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Und Thomas Lange, Sprecher des Vorstandes der National-Bank AG: »Die Entwicklung wird mit erheblichen Unwägbarkeiten behaftet sein. Ich gehe jedoch davon aus, dass exzellente gewerbliche Immobilien in besten Lagen ebenso wie antizyklische und von einem stabilen Cash-Flow getragene börsennotierte Unternehmen 2009 eine ansprechende Rendite erwirtschaften werden«.
Skepsis beim FDP-Politiker
Skeptischer zeigte sich Wolf Klinz, Abgeordneter im Europäischen Parlament und dort wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP: Ein schrumpfendes Bruttosozialprodukt und verschärfte Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen der Unternehmen dürften die Nachfrage nach gewerblichen Immobilien spürbar dämpfen und wegen Sparverlusten und Sorge um den Arbeitsplatz auch die private Immobiliennachfrage nicht beleben. Immobilien hätten - zumindest in diesen schweren Zeiten - die Rolle eines sicheren Hafens verloren.
Stefan Scholz, Mitglied der Fondsleitung der Schweizerischen Swisscanto, setzt auf das Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung; es werde in der Immobilienwelt eine stärkere Beachtung finden.
Längere Vermarktungszeiten
Zurückhaltend urteilt auch Lutz Aengevelt vom gleichnamigen Maklerhaus in Düsseldorf über die Aussichten für das neue Jahr. Aber er sieht gute Immobilien durch die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen nicht schlechter werden. Die Vermarktungszeiten könnten länger werden, wenn die Portfolios nicht mustergültig prüffähig aufbereitet und preislich richtig positioniert sind.
Auch Ulrich Jacke, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Lübke GmbH, spricht von einem schwierigen Jahr, das für finanzstarke Anleger aber besondere Chancen für ein Engagement biete