Wirtschaftsclub mit Kultur

Andreas Grosz über den Rotonda Business-Club

Kölner Stadtanzeiger

»Wirtschaftsclub mit Kultur«

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Der Rotonda-Business-Club feiert dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag. Sie haben einmal von einer »Sättigungsgrenze« bei 1000 Mitgliedern gesprochen. Ziel erreicht?


Andreas Grosz: Noch vor einigen Jahren war diese Zahl eher eine unrealistische Wunschvorstellung. Wirtschaftsclubs in Deutschland haben ja keine große Tradition. Es gab nur wenige Vorbilder und die waren alle historisch orientiert. Wir wollten dagegen ein Club der Jetztzeit sein. 1000 Mitglieder – das schien mir nahezu utopisch zu sein. Aber wir haben diese Marke geknackt.

Welche Ziele verfolgt der Club?


Grosz
: Für unsere Mitglieder ist vor allem der Nutzwert entscheidend. Da bieten wir in unseren Räumen zum Beispiel ein erstklassiges Lokal, das nicht teurer ist als der gute Italiener um die Ecke. Es ist den ganzen Tag über geöffnet - von morgens neun bis Mitternacht, wenn es sein muss. Unsere Mitglieder möchten, wenn sie etwa vom Flughafen kommen, auch um 11 oder um 16 Uhr zu Mittag essen – und darauf sind wir eingestellt. Außerdem verfügen wir über zehn erstklassig ausgestatte Konferenz- und Tagungsräume für bis zu 100 Teilnehmer. Und schließlich bieten wir ein Club-Programm mit Themen aus Wirtschaft, Politik und Kultur an. Das ist der rote Faden, der unsere Clubmitglieder immer wieder zusammenbringt.

Können Sie einige Beispiele nennen?


Grosz
: Inzwischen finden hier die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt zum Beispiel zur Stadtentwicklung und zu der Frage, wie die »Marke Köln« künftig aussehen wird. Die Förderung von Kunst, Kultur und Bildung spielt bei uns eine große Rolle. Über den Club gelingt es jemandem, der in Köln beruflich aktiv ist, relativ schnell in die Stadt hineinzukommen. Wir bauen derzeit eine Lounge für internationale Führungskräfte auf. Im Club werden auch wunderbare Feste gefeiert und es gibt eine Jazz-Lounge mit Live-Konzerten. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Unternehmerinnen. Da haben jetzt etwa 50 weibliche Mitglieder des Clubs einen von ihnen selbst organisierten Treff und mit »women.on« auch ein Unternehmerinnen-Netzwerk, das großen Zulauf hat.

Öffnen Sie sich in bestimmten Bereichen auch dem breiten Publikum?


Grosz
: Immer gerne. Ein »Closed shop« – also eine geschlossene Gesellschaft - sind wir nicht. Jedes Mitglied kann zum Beispiel Gäste mitbringen. Und wir haben spezielle Veranstaltungen wie unser Galerieprogramm. Wenn Ausstellungen stattfinden, kommen fast jeden Tag Besucher von außen. Wir stehen also nicht mit dem Rücken zur Stadt. Aber natürlich finanzieren die Mitglieder das alles mit ihren Beiträgen und nutzen diesen Ort daher vornehmlich für ihre eigenen Zwecke. Wir verfügen über etwa 1500 Quadratmeter Innenfläche, und wir halten 60 Parkplätze in unserer Tiefgarage vor. Der Club beschäftigt allein 18 Mitarbeiter. Das ist mittlerweile ein mittelständischer Betrieb.

Welchen Beitrag müssen Ihre Mitglieder entrichten?


Grosz
: Es gibt bei uns - zum Beispiel für jüngere Unternehmensgründer - einen Juniorbeitrag von 500 Euro im Jahr. Das ist wahrlich nicht viel. Im Regelfall endet das mit 35 Jahren. Der reguläre Beitrag beträgt 1200 Euro im Jahr. Im Mittel kommen wir auf etwa 900 Euro. Damit liegen wir im internationalen Bereich absolut im unteren Drittel. Wenn Sie in London Mitglied eines Wirtschaftsclubs werden wollen, zahlen Sie in der Regel 5000 Pfund. Auch in den USA und in Asien ist das alles viel nobler als bei uns. Aber Sie können als Rotonda-Clubmitglied sehr preisgünstig eine Zusatzkarte für die IAC – ein internationales Netzwerk von fast 250 Business Clubs – erwerben. Das eröffnet ihnen den Zutritt zu Wirtschaftsclubs auf der ganzen Welt. So ist ein namhafter Unternehmer aus Essen Mitglied bei uns, weil er dadurch in einen der hervorragendsten Clubs in Tokio und in Seoul kommt und dort seine asiatischen Kontakte pflegen kann.

Ist der Club ein Abbild der Kölner Wirtschaft insgesamt oder sind einzelne Branchen besonders stark vertreten?


Grosz
: Inzwischen finden Sie unter unseren Mitgliedern querbeet jede Branche. Persönlich habe ich mich darum bemüht, mehr Menschen aus jungen Wachstumsbereichen in den Club zu bringen - zum Beispiel aus der Kreativwirtschaft. Unser Club hat jedoch – und das empfinde ich als sehr positiv - eine starke Komponente im Bereich Bauen, Planen, Stadtentwicklung. Das hat auch dazu geführt, dass wir zum Beispiel über Albert Speers Masterplan für Köln mit Begeisterung diskutiert haben.

Das Gespräch führte Willi Feldgen