von Ralf Johnen, 21.08.09
Auf Einladung des Rotonda Business-Club diskutieren Kulturmanager und Wirtschaftsexperten über die Beziehung zwischen den beiden so verschiedenen Welten. In der Debatte ist kein Ende in Sicht.
Die Kölner Kultur ist mal wieder in Aufruhr. Nicht jeder aber verfällt deswegen bei der abendlichen Gesprächsrunde im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museum in Panik. Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie, stellt fest, dass er noch keinen unterschriebenen Brief von Kämmerer Norbert Walter-Borjans erhalten hat, in dem dieser einen Sparzwang anmahnt. So lange das nicht geschehen sei, »nimmt man es da wohl auch nicht ganz so ernst«. Außerdem, sagt er, sei das Geld bis Ende 2010 ohnehin bereits ausgegeben.
Andreas Blühm, Direktor des WRM, bleibt gleichfalls gelassen. Zumal er die Ankündigung der Kämmerei so verstanden habe, dass sich die 30 Prozent »nur« auf die »nicht gebundenen Kosten« beziehen, die den Bühnen und Museen für zur Verfügung stehen. Für sein Haus, habe er durchgerechnet, komme dies einer Kürzung von 55 000 Euro gleich. »Die«, sagt Blühm trotzig, »verdienen wir notfalls auf andere Weise«.
Also alles nicht so schlimm? Das könnte man meinen, nachdem auch Moderator Andreas Grosz von einem Telefonat mit dem Kämmerer berichten konnte. Der habe darauf hingewiesen, dass der genannte Kürzungsbetrag »statistischer« Natur sei, nicht inhaltlicher.
Aus dem Publikum warnte Lorenz Deutsch (FDP), der als Sachkundiger Bürger im Kulturausschuss sitzt, vor allzu viel Gelassenheit. Für die Institutionen möge alles glimpflich ablaufen, doch die Freie Szene zittere zu Recht um ihre Existenz, da sie nicht zwischen Gesamtetat und gebundenen Kosten unterscheide: »Da droht ein Kahlschlag, das sollte man nicht unter den Tisch kehren.«
Bei aller Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung hat auch IHK-Geschäftsführer Ulrich Soénius Vorbehalte gegen die nun zirkulierenden Sparpläne: »Wir halten nichts von einer Rasenmähermethode und erwarten mehr Kreativität von den Verantwortlichen.« Pauschalaussagen eines Kämmerers, wie sie nun wieder zu vernehmen seien, halte er für »absolut falsch«.
Hermann Hollmann, Kulturbeauftragter in der Geschäftsführung von Ford, stimmt dem zu. Als Angehöriger der Verwaltung sei man besser beraten, alle erdenklichen Posten noch einmal durchzugehen, und dann zu sehen, wo man sparen kann. Die Kürzung des Kulturetats im avisierten Umfang wären aus seiner Sicht ein Desaster. »Ich glaube noch nicht, dass es so weit kommt.«
Für den Fall, dass er Unrecht behalten sollte, stellt Birgit Meyer als jüngst in Köln gestartete Chefdramaturgin der Oper schon einmal in Aussicht, was dies für Folgen hat: »Für die Oper wäre das fatal. Die Stars muss man Jahre im Voraus buchen. Wenn man da mitmachen will, muss man früh sein.« Dafür brauche man Mittel und Planungssicherheit: »Wenn man das nicht hat, plätschert alles vor sich hin.« Was der Kölner Musikfreund nur als Drohung verstehen kann.
Es bleiben also viele Ungewissheiten. Klaus Schneider, Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums, brachte noch ein ganz großes Fragezeichen ein: »Was passiert mit dem Stadtarchiv? Dazu schweigt die Verwaltung immer noch.« So lange dies nicht geklärt sei, könnten auch alle anderen wichtigen Fragen kaum beantwortet werden. »Aber«, prophezeit er, »da werden wir wohl erst nach der Wahl drüber sprechen«.