Sechs Jahre, Tausende von Aufnahmen, monatelange Arbeit am Computer. Klaus Kuschek hat sich sein eigenes Bild vom Rheinauhafen gemacht.
Von Susanne Kreitz und Stefan Worring
Samstag/Sonntag, 17./18. September 2011
Gesammelt hat er schon immer. Schallplatten, altes Blechspielzeug, Porzellan, Gebäckdosen und Matchbox-Autos. Seit Klaus Kuschek mit seinem Partner Christoph Baum von Berlin nach Köln gezogen ist, hortet er auch Fotografien. Motiv Rheinauhafen. Ostern 2002wollte er „diese Enklave“ mal besichtigen, schon am Pförtnerhäuschen wurde ihm beschieden, Fotografieren sei verboten. Da hat er halt die Seiten gewechselt, zumal er mit seinem Partner jetzt in Porz-Ensen lebt. Klaus Kuschek hat über Jahre den Rheinauhafen fotografiert und die Aufnahmen zu Panoramabildern zusammengefügt. Die Langzeitdokumentation von 2002 bis 2011 ist jetzt erstmals in einer Ausstellung zu sehen, „Metamorphose einer Stadtlandschaft“ in der Rotonda Galerie, Pantaleonswall 27. Zur Eröffnung am Montag, 19. September, 19 Uhr, spricht Bernd Streitberger, Dezernent für Bauen und Planen der Stadt Köln. Streitberger du?rfte die Entwicklung des neuen Vorzeige-Viertels samt sämtlicher Fakten parat haben, Kuschek geht es mehr um die Stimmung. Er wusste zwar, dass da einiges abgerissen werden sollte, doch seine Aufnahmen richten sich nicht nach den Terminplänen der Architekten, sondern nach den „Veränderungen der Landschaft“. Etwa den Jahreszeiten. Schnee auf dem Siebengebirge, Schafe auf der Poller Wiese, Nebel über dem Fluss, Sonnenauf- und Sonnenuntergang, Hochwasser, Kölner Lichter. Als Trickfilmer greift er auch schon mal in ebendiese Kiste und legt ein bisschen Farbe auf, Indian Summer am Rhein. „Da schlägt der Hintergrund-Maler durch“, gesteht er. Kuschek und Baum haben für Filme von „Werner – beinhart“ bis „Benjamin Blümchen“ die Hintergründe entworfen und an Comics mitgewirkt.
Fotografiert hat Kuschek mit einer normalen Spiegelreflex-Kamera, ein Panoramabild besteht aus mindestens acht Aufnahmen. Und zwar immer vom selben Standpunkt aus. »Ich habe die gefühlte Mitte gesucht«, orientiert hat er sich an einem Ring zum Festmachen der Schiffe und einem Rheinkilometer-Stein. Und dann war da noch eine Weide, die nach einem Sturm plötzlich nicht mehr zur Orientierung taugte. Menschen tauchen nicht auf, Schiffe sind ebenfalls nicht zu sehen. Sie hätten das Panorama gestört, glaubte er, doch inzwischen gibt’s auch Ansichten von einer Segel- Regatta und vorbeifahrenden Containerschiffen. Im Panorama der Kölner Lichter ist dasselbe Boot gleich dreimal zu sehen.
Jahr für Jahr hat er auf den PollerWiesen gestanden, während des Baus der Tiefgarage tat sich nicht besonders viel, dafür musste er 2010 die Frequenz erhöhen. Irgendwann fasste er den Entschluss: »Das kann ich jetzt auch zeigen.«
Die Ausstellung „Metamorphose einer Stadtlandschaft, der Rheinauhafen Köln 2002–2011“, ein Fotoprojekt von Klaus Kuschek, wird am Montag, 19. September, 19 Uhr, in der Rotonda Galerie, Pantaleonsweg 27, eröffnet. Es sprechen der GeschäNftsführer des Rotonda Business-Club, Andreas Grosz, und Bernd Streitberger, Dezernent für Bauen und Planen der Stadt Köln. Eintritt frei. Bis 18. März 2012.