von Guido Hartmann, 22. November 2009
In Düsseldorf und Köln bieten ein traditioneller und zwei jüngere Wirtschaftsclubs ihren Mitgliedern einen exklusiven Rahmen für Geschäftliches und PrivatesAls sich 1912 Düsseldorfer Industrielle und Unternehmer zu einer exklusivenVereinigung zusammenschlossen, schrieb eine Lokalzeitung, dass die neue Institution »dem leiblichen Wohl wie der geistigen Anregung« dienen solle.»Das trifft heute noch genauso zu«, sagt Joachim F.Scheele. Der 67-jährige Jurist und frühere Unternehmer ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender des Industrie-Clubs mit Sitz am nördlichen Ende der Königsallee.»Wir sind heute nicht mehr allein Kohle und Stahl, wie unser Name vielleicht immer noch bei vielen den Anschein erweckt«, sagt Scheele.
In Düsseldorf und Köln bieten ein traditioneller und zwei jüngere Wirtschaftsclubs ihren Mitgliedern einen exklusiven Rahmen für Geschäftliches und Privates.
Als sich 1912 Düsseldorfer Industrielle und Unternehmer zu einer exklusiven Vereinigung zusammenschlossen, schrieb eine Lokalzeitung, dass die neue Institution »dem leiblichen Wohl wie der geistigen Anregung« dienen solle. »Das trifft heute noch genauso zu«, sagt Joachim F. Scheele. Der 67-jährige Jurist und frühere Unternehmer ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender des Industrie-Clubs mit Sitz am nördlichen Ende der Königsallee.
»Wir sind heute nicht mehr allein Kohle und Stahl, wie unser Name vielleicht immer noch bei vielen den Anschein erweckt«, sagt Scheele. 1150 Mitglieder zählt der Club, der sich in Deutschland allenfalls mit dem Hamburger Übersee-Club und der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft verglichen sehen möchte.
Ehemalige Vorsitzende waren Industrielle und Konzernchefs wie Karl Haniel, Konrad Henkel und Rolf Schwarz-Schütte. Und auch die Liste der »einfachen« Mitglieder weist prominente Namen wie Walter Scheel, Otto Graf Lambsdorff und Richard von Weizsäcker auf.
Wurde der Club zu Gründungszeiten von Kommerzienräten, Direktoren und Fabrikanten aus der Region Rhein/Ruhr dominiert, gibt es heute auch zahlreiche Hochschullehrer und Mediziner unter den Mitgliedern. Doch 42 Prozent sind immer noch Unternehmer, wie Scheele berichtet »Unser Ziel ist es, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenzubringen und ein überregionales Forum des Dialogs zu sein«, sagt Scheele. An die 65 eigene Veranstaltungen und Vorträge führt der Club im Jahr durch, als Redner in der Nachkriegszeit waren unter anderem Konrad Adenauer, Willy Brandt, Angela Merkel und erst vor einem Jahr EU-Kommissionspräsident José Manuel Baroso zu Gast.
Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen, die die Mitglieder in Eigenregie durchführen. »Bei uns gehen im Jahr 50 000 Menschen über den Teppich«, berichtet Scheele. Dazu steht dem Club ein Team von 39 festen Mitarbeitern zur Verfügung, die sich im Restaurant, den verschiedenen Tagungs- und Speisesälen sowie in der neu gestalteten Lounge-Bar um die Mitglieder und ihre Gäste kümmern. »Ich komme sehr gerne zum Mittagessen her, aber auch nach dem Theater«, sagt Scheele. Angesichts eines Durchschnittsalters von 58 Jahren bemüht sich der Industrie-Club auch um jüngere Mitglieder, Personen über 60 Jahren werden nicht mehr aufgenommen.
»Es sollten Persönlichkeiten sein, die im Leben bereits etwas geleistet haben und eine herausragende berufliche Position bekleiden«, umreißt Geschäftsführer Klaus Germann die Anforderungen an neue Mitglieder. Schließlich sei ja auch jedes Mitglied »eine Art Botschafter des Industrie-Clubs«. Seit 1977 werden auch Frauen aufgenommen, mittlerweile sind es etwa 50. Die Aufnahmegebühr von 1000 Euro und der Jahresbeitrag von 450 Euro erscheinen im Vergleich mit anderen Clubs dieses Kalibers - vor allem im Ausland - durchaus angemessen. Jeder Bewerber muss jedoch drei Mitglieder als Bürgen vorweisen können und vom Vorstand akzeptiert werden.
Mittlerweile ist der Industrie-Club weit mehr als nur Ort der Kommunikation und Geselligkeit auf hohem gesellschaftlichem Niveau. Seit den 90er-Jahren haben der Verein und seine Mitglieder mehr als 600 000 Euro zur Förderung von Wissenschaft, Lehre und Forschung gespendet. Unterstützt werden auch herausragende Studenten und Schulprojekte. »Ich kenne keinen Club in Deutschland, der annähernd so etwas leistet«, sagt Geschäftsführer Germann.
Nur wenige Hundert Meter vom Industrie-Club entfernt hat der 2003 gegründete Wirtschaftsclub Düsseldorf seinen Sitz. »Stadt und Region Düsseldorf haben das Potenzial für zwei Clubs mit ihren spezifschen Angeboten«, sagt Geschäftsführer Andreas Jakobi. »Der Charakter eines Clubs besteht für uns darin, dass er als idealer Treffpunkt für private und geschäftliche Anlässe oder ganz einfach als Refugium zum Abschalten vom Tagesgeschäft verstanden wird«, sagt Jakobi. Den Schwerpunkt lege der Wirtschaftsclub mit seinen rund 500 Mitgliedern auf den Mittelstand. Mitglieder seien Unternehmer, Führungskräfte aus Industrie und Dienstleistung, die im Club ihre
In der Regel empfehlt ein Mitglied als Bürge die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Die Aufnahmegebühr beträgt 1000 Euro, der Jahresbeitrag 1100 Euro, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer.
Neben einem Restaurant für etwa 60 Gäste gibt es das beliebte Kaminzimmer, in dem auch noch geraucht werden darf. Und an schönen Tagen lockt die Dachterrasse, die rund 30 Gästen Platz bietet. Darüber hinaus stehen den Mitgliedern fünf Konferenzräume für bis zu 100 Personen zur Verfügung.
Auch der Wirtschaftsclub bietet regelmäßige Veranstaltungen wie Dinner Talks, Unternehmerfrühstücke, Weinproben, »Herrenabende« und Lesungen mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. »Alle unsere Service-Mitarbeiter sind geschulte Kräfte«, betont Jakobi, ein erfahrener Restaurantmanager, der zwischen 1999 und 2006 am Aufbau des Kölner Rotonda-Clubs beteiligt war.
Als Gesellschafter hinter dem Wirtschaftsclub stehen die Düsseldorfer Unternehmer Rüdiger Goll sowie Elmar und Erik Schäfer. Wenn der Club erst einmal Gewinne erzielt, sollen auch verstärkt soziale Projekte gefördert werden.
Im Rotonda Business-Club in Köln ist von kolonialem Stil altehrwürdiger Clubs nicht viel zu spüren. Mit einer Vitra-Lounge, einer Bar in New Yorker Club-Atmosphäre, einem Restaurant und Konferenzräumen, die mit Möbelklassikern eingerichtet sind, spiegele der Club »das moderne, auf Netzwerk und Unternehmenskultur ausgerichtete, städtische Leben in Programm und Einrichtung« wider, so Vorstandschef Andreas Grosz.
Der Club verstehe sich »als Zukunftsschmiede und als Treffpunkt der Macher, Menschen, die etwas treiben und bewegen wollen«, sagt Grosz. Die Mitglieder, im Durchschnitt Mitte bis Ende 40, seien ein »Querschnitt durch die Kölner Wirtschaft«, so der Rotonda-Vorstandschef, der früher als Gründungsgeschäftsführer der "Expo 2000" in Hannover tätig war.
Derzeit hat der Rotonda-Club rund 900 Mitglieder, viele aus den Bereichen Beratung, Medien, Dienstleistung, Industrie, Architektur, Kultur, Wissenschaft und Immobilien. Ohne Paten und Bürgen sowie ein Gespräch mit einem Vertreter des Vorstandes ist ein Eintritt nicht denkbar. »Dadurch schützen wir uns vor Geschäftemachern und Akquisiteuren an der falschen Stelle«, betont Grosz, der selbst als Unternehmensentwickler und Kulturmanager tätig ist. Natürlich soll der Club auch Ebene geschäftlicher und gesellschaftlicher Kontakte sein. »Aber bitte mit Stil«, unterstreicht der Vorstandschef.
An die 400 Veranstaltungen finden im Rotonda-Club im Jahr statt. Rund 18 feste Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Mitglieder und ihrer Gäste. Dafür sind 1200 Euro Beitrag und eine Aufnahmengebühr von 800 Euro fällig.